Benjamin Kümmig

Kommunalwahl in Dresden. Meine Partei so: schreib doch mal auf einen Text, warum die dich wählen sollen. Was willst du denn da groß texten? 26, Fussballtrainer, Student, Papa. Klingt eher nach aussichtsloser Kontaktanzeige. Warum ich hier bin? Neustadt ist die einzige Möglichkeit. Ohne die Neustadt wäre Dresden nix für mich. Gut, Hecht und Pieschen gehen auch. Aber anders. Warum das so ist? Hier sitzt dein soziales Netzwerk vorm Späti auf der Straße. Hier ist dein Wohnzimmer außerhalb der Wohnung. Alaunpark, Assieck, Kneipe, Spielplatz fürs Kind. Und in jeder Straße kennt man sich. Klar, manches ist Kacke. Kein Bier nach 10 am Wochenende für draußen. Kein Bier unter 2,50 drinnen. Da kann man aber was machen. Späti-Sperrstunde sprengen! Bin ich dafür. Politisch, versteht sich.
Neustädter sein ist, wenn dir jeder Weg über die Brücke gen andere Elbseite irgendwie falsch vorkommt. Geht mir zumindest so. Und trotzdem würde ich ihn wagen, um für das Viertel im Rathaus einzustehen.

Ben1

9 Kommentare

  • Hallo Sven,

    sollte ich auf dem letzten Listenplatz im Wahlkreis so viele Stimmen sammeln, dass ich in den Stadtrat einziehe, treff ich mich gern persönlich mit dir und anderen, die das Thema interessiert, und bring die Kiste Bier noch mit 😉

    In diesem Sinne: immer für einen offenen Dialog zu haben!

    Danke für die guten Wünsche!

  • Na, das klingt schon viel objektiver und differenzierter. Vielen Dank, dass du dir dafür nochmal Zeit genommen hast. Man kann nun eher erkennen, dass du es aus beiden Blickwinkeln betrachten kannst. Als Fußballer (wenn auch für den falschen Verein ;-)) und eben als Politiker. Das lässt mich hoffen. Bei meiner Enttäuschung über die Grundeinstellung der SPD zu diesem Thema bleibe ich trotzdem. Denn da hätte ich mir einfach mehr Bekenntnis erwartet. Falls du es wirklich schaffen solltest, komme ich auf das persönliche Gespräch gern zurück. Am Besten, bevor dann die Debatte bzw. Entscheidung zu den Mietvertägen ansteht. Ich hoffe du errinnerst dich dann an deinen Text hier.

    Übrigens stehen für die nächste Saison bereits 6 von 11 Spielern im Kader, die in Dresden Fußball spielen gelernt haben. Und mit viel Glück kommt noch Nr. 7 dazu. Eventuell schafft es die A-Jugend diese Saison auch noch erfolgreichste Mannschaft im ganzen Osten zu werden. Ganz so ist es also nicht mit dem Pool. Auch in Sachen Kooperation und Fußball(Wander)Schule hat sich viel getan die letzten Jahre. Sicher ist das noch steigerungsfähig. Aber wir arbeiten dran. Alles muss eben finanzierbar sein. Und da kommen wir leider immer wieder beim Stadion raus.

    In diesem Sinne. Alles Gute für den finalen Wahlkampf!

    Dynamische Grüße, Sven

  • Benjamin Kümmig

    Hallo Sven,

    zunächst einmal freue ich mich wirklich über deine umfangreiche Antwort. Was der Stadt in den letzten Jahren unter anderem gefehlt hat, war und ist eine objektive Debatte über Themen wie dieses. Ich entnehme deinem Post viel Kenntnis über die politische Situation in Dresden, über den Debattenverlauf zum Thema Stadion, aber natürlich auch über Großprojekte in der Stadt. Ich starte gern wie du: ‚Ich gehe bei vielen Punkten mit. Aber nicht bei allen‘. Ich versuchs mal chronologisch und konzentriert, auch wenn das Spiel nicht ganz so schlecht ist, das wir da grad in Turin sehen 😉

    Zum Thema: das Grundproblem ist doch, wie du auch richtig beschrieben hast, dass die Stadt keinerlei Mitspracherecht beim Stadion hat. Es gibt eben eine Betreibergesellschaft. Die Stadt kann mit dem Stadion, dass sie in großen Teilen finanziert hat, an sich kein Geld verdienen. Die Stadt hätte aber, da bin ich mir sicher, nicht gebaut, wenn es nicht für die Lizenz nötig geworden wäre. Dass da in der Vergangenheit viel versäumt wurde, steht außer Frage. Wie so oft in Dresden: man wird erst aktiv, wenn es bis in den Dachstuhl hoch brennt. Das ist schlecht, aber man muss eben mit der jetzigen Situation arbeiten. Ich wiederhole dahingehend meinen Standpunkt: man kann von Dynamo halten, was man will, die Stadionmiete ist unakzeptabel hoch und erdrückt den Verein bis an den Rand der Handlungsunfähigkeit. Trotz alledem muss man festhalten: Die Stadt hat dem Verein in gewisser Weise den Arsch gerettet, indem sie das Stadion überhaupt gebaut hat. Ich erinner mich gut an die Entscheidungen und Diskussionen damals, die es nahezu unmöglich gemacht haben, mit klarem Kopf und in aller Ruhe zu planen. Es wurde verpennt. Da haben viele eine Aktie dran: die von dir beschriebenen politischen Handlungsträger, aber auch der Verein, die Öffentlichkeit, die MeinungsmacherInnen. Ich widerspreche da an dem Punkt, dass dem Verein der Mietvertrag aufgezwängt wurde. Beide Seiten waren quasi geknebelt: die Stadt und der Verein. Die Stadt sagt: der Verein geht vor die Hunde, wenn wir nicht mit öffentlichem Geld bauen. Das können wir uns nicht leisten, das wollen wir auch nicht. Der Verein sagt: wir gehen vor die Hunde, wenn kein neues Stadion steht. Einen Neubau können wir uns aber nicht leisten. Die Projektgesellschaft sagt: haha, hier können wir richtig Geld verdienen. Das war, ist und bleibt das Dilemma um diese Arena (die im Übrigen für mein Dafürhalten weder schön noch individuell ist, sie ist ein austauschbarer Zweckbau, der mir als Liebhaber schöner Fussballstadien das Herz bluten lässt).

    Vielleicht noch zwei Sätze zur Rolle der Stadt: nein, sie soll nicht auf Kosten des Vereins Geld verdienen. Der Verein soll aber auch nicht auf Kosten der Bewohner der Stadt ein neues Stadion bekommen. Und das ist die Krux: ja, es gehen immens viele Leute ins Stadion, der ZuschauerInnenschnitt ist wirklich derb, die Identifikation und Leidenschaft für den Verein, die ich zugegebener Maßen nicht so teilen kann und der ich auch sehr kritisch gegenüber stehe, aber trotzdem kann man als politischer Entscheidungsträger der Stadt nicht davon ausgehen, dass der Verein ein übergeordnetes öffentliches Interesse darstellt, das eine dauerhafte Subvention durch die Stadt rechtfertigt. Darüber kann man sicher streiten, aber es ist meine Meinung. Die von dir angesprochenen Vergleiche á la: von dem Geld könnte man so viele KiTas bauen, so viele Schulen sanieren, so viele Kultureinrichtungen errichten, mach ich bewusst nicht mit, das überlass ich lieber der Werbeagentur mit angeschlossener Partei aus dem Hause Zastrow. Denn es verhindert genauso eine aufrichtige Debatte.

    Zum Block (un)professionelles Agieren, sozialer Zusammenhalt, der Verein bringt der Stadt viel:

    Ich möchte mich da bewusst nicht auf den sportlichen Bereich stürzen. Es ist nicht Aufgabe der Politik, zu kommentieren, welche sportlichen Entscheidungen der Verein trifft. Aber: wir können durchaus darüber sprechen, ob die SGD in ihrer organisatorischen Aufstellung ein Partner für die Stadt ist, mit dem man vertrauensvoll und kontinuierlich zusammenarbeiten kann. Viele Wechsel in den Führungsgremien sind dem nicht zuträglich. Dampfplauderer, die irgendwie einen Namen haben, aber im Management eher einen unglücklichen Job machen, Egoismen, die eine Rolle spielen, machen es der Stadt nicht leicht. Dazu eine Geschäftsstelle, die, aus wirklich vielen Gründen (ja, auch mangels Finanzierung, da die Stadionmiete so hoch ist -> da beißt sich die Maus in den Schwanz) dem Profifussball nicht angemessen, da deutlich unterbesetzt ist. Ich brauch glaub ich die Personalwechsel und deren Hintergründe, vom Pressesprecher, über den sportlichen Leiter, den Aufsichtsrat, bis hin zum Management und deren Führungsposten nicht aufzählen. Die Zahlen mögen einigermaßen stimmen. Trotz alledem liegen große Baustellen seit Jahren ungelöst da, vollkommen gegensätzlich sind da die Reden auf Mitgliederversammlungen einiger Akteure, aber das ist wieder ein anderes Thema. Die Stichworte Kölmel, Marketing, Nachwuchsleistungszentrum sollten da ausreichen… Ich merke übrigens beim Schreiben, dass ich ab und an den Faden verliere, da mir zu jedem der Themen wieder neue Aspekte einfallen, hoffe aber trotzdem, dass du einigermaßen nachvollziehen kannst, was ich meine…

    Sozialer Zusammenhalt in der Stadt: da bin und bleib ich natürlich überzeugter Fussballromantiker… Ein Verein kann das Leben für viele Menschen sein, der Mittelpunkt ihrer Welt. Ein Verein ist immer da, der verlässt dich nicht, der macht dir Kummer, aber du wirst ihn trotzdem lieben und versuchen, ihn wieder auf die richtige Bahn zu kriegen. Das stimmt. Spannend wirds nur an dem Punkt: wie misst man denn sowas? Den Nutzen eines Vereins. Das ist glaub ich für jeden eine subjektive Wahrnehmung. Das möchte ich auch nicht beurteilen. Daher belass ich es an dem Punkt damit. Ein Verein ist weder Marketingbotschafter der Stadt, noch ist er dafür verantwortlich, dass weniger TouristInnen mit ihrem Geld hierher kommen (Stichwort: Pyro und die unsägliche Debatte darum).

    Dass das Fanprojekt gute Sachen macht, darüber brauchen wir nicht zu sprechen. Aber ich denke schon, dass es in vielerlei Hinsicht an seine Grenzen stößt. Und abgesehen davon nicht ordentlich ausfinanziert ist. Ich möchte diesen Punkt hier nicht weiter ausweiten, das können wir gern im persönlichen Gespräch tun!

    Ich habe sicher die Hälfte vergessen, das kann auch der Uhrzeit geschuldet sein, allerdings führe ich die Debatte sehr gern weiter. Im Netz ist es immer schwer, sich nicht misszuverstehen… Mir ist schon klar, dass man mit dem Thema in Dresden polarisiert und im Zweifel keinen Blumentopf gewinnt. Allerdings möchte ich eins nochmal klarstellen: der Breitensport in Dresden ist unterfinanziert und unterrepräsentiert. Das schadet auch Dynamo. Die Basis für Profifussball fehlt dahingehend, dass es nicht mal einen Pool gibt, aus dem Dynamo Spieler abschöpfen könnte, die es mal in den Profifussball schaffen. Und da hat keiner was davon. Auch wenn ich die Kinder, die ich trainiere, wesentlich lieber mit dem DSC aufsteigen sehen würde, betrachte ich diesen Umstand mit Unzufriedenheit.

  • Hallo Ben,

    Danke für aufrichtige und umfangreiche Antwort!

    Ich gehe bei vielen Punkten mit. Aber nicht bei allen. Und da bin ich gerade von einem ambitionierten Kandidaten der SPD sehr enttäuscht. Da frage ich mich ernsthaft, was an der SPD noch sozial sein soll. Sorry, ich kann deine Antwort leider nicht unkommentiert lassen.

    „Objektiv betrachtet macht die Stadt noch mehr miese, wenn sie keine Zuschüsse zahlt und der Verein vor die Hunde geht…“ usw. Ist das echt dein objektiver Ansatz? Hauptsache es rechnet sich für die Stadt? Vielleicht mal ein paar fundierte Fakten. Das Stadion gehört der Stadt. Und nur der Stadt. Die Stadt hat vor ca. 10 Jahren eine riesen Chance liegen lassen, das übermarode Stadion mit vielen vielen Fördergeldern vom Bund neu zu bauen. Nun hat Dynamo dafür gekämpft, dass das Stadion doch noch neu gebaut wird. Ich glaube wir sind uns einig, dass unsere Stadt ein modernes Stadion braucht, mit oder ohne Dynamo, groß oder klein sei dahin gestellt. Aber sämtliche Sportstädten seit der Wende vor sich hin marodieren zu lassen, war ein großer Verdienst von CDU und FDP. Leider war’s nun zu spät für die Fördergelder. Nun als es gar nicht mehr anders ging, wurde dem Verein ein Mietvertrag aufgezwängt, bei dem er kein Mitspracherecht hatte und den er nicht ablehnen konnte. Andernfalls hätte man 2, 3 Ligen runter gemusst (bei Nichtneubau). Dieser Vertrag ist nun so ausgelegt, dass der Verein den Neubau des Stadions komplett selbst finanziert. Aber das Stadion gehört nach wie vor der Stadt und der Verein hat keinerlei Mitspracherecht beim Bertrieb des Stadions. Du kannst mich gern korrigieren.

    So weit so gut. Jetzt kann man sich noch die negativen Vorfälle rund um die Spiele vor und nach dem Neubau anschauen. Fällt was auf? Seit dem Neubau gibt’s nichts nennenswertes (gut, am letzten Wochenende erstmals, das war’s jedoch auch schon). Damit kommen wir zur Sozialarbeit, welche der Verein in den letzten Jahren geleistet hat. Die Jugendfußballabteiling brauch man nicht extra erwähnen. Allerdings schon die vielen vielen gemeinnützigen Projekte. Für sozial benachteiligte, für Kinder in den Ferien, für Behinderte, für asylsuchende Mitmenschen. Gleiches gilt für die Fanarbeit, welche deutschlandweit höchstes Ansehen genießt. Damit sind wir auch schon bei den negativen Vorkommnissen. Fußball ist nunmal ein Spiegelbild der Gesellschaft und damit auch von Dresden. Dresden hat soziale Brennpunkte. Nicht zu knapp. Gerade mit Fußball hat man die Chance, viele junge Menschen mit ihren Problemen abzuholen und nicht allein zu lassen. Aber das kostet viel Sozialarbeit und vor allem Geld. Geld, was die Stadt nach und nach in den letzten Jahren gekürzt hat anstatt aufzustocken (Spike usw.).

    Wenn ich dann noch lese, dass der Verein („mal wieder“) unprofessionel wirtschaftet, weiß ich auch nicht weiter. Ich dachte, du hast dich mit dem Thema auseinander gesetzt?! Wo hat der Verein denn bitte ganz genau in den letzten 6 Jahren unprofessionel gewirtschaftet? Über 3 Mio Schulden wurden aufgebaut. Heute hat der Verein (erstmals seit der Wende) positives Eigenkapital. Sicher mit auch mit Hilfe der Stadt. Aber der Verein hat dieses Vertrauen der Stadt mit viel harter Arbeit zurück gezahlt (z.B. siehe Darlehen).

    Es geht nicht darum, öffentliche Gelder für Profifußball auszugeben. Es geht darum den drückendsten Schuh des Vereins, größten Vereins im ganzen Osten, der meines Erachtens sehr viel für die Sadt leistet, gemeinsam zu lösen. Nur dann, wird der Verein auch zukünftig in der Lage sein, an den vielen sozialen Problemen der Stadt weiterhin mitzuarbeiten.

    Dass die Stadt allgemein zu wenig für ihre Sportvereine tut. Darüber sind wir uns auch einig. Aber wenn man sieht, mit wieviel Geld die ganzen Kulturstädten mit ihren paar 10.000 Besuchern im Jahr unterstützt wird und was für den Sport übrig bleibt, blutet einem das Herz. Übrigens war rein Zahlentechnisch fast jeder Dresdner in dieser desaströsen Saison im Stadion. Knapp eine halbe Mio.

    Nichts für ungut. Aber an Dynamo mache ich sehr viel soziales Miteinander in dieser Stadt fest. Die einen lieben es, die anderen eher nicht. Aber am Ende gehören wir alle zusammen. Genau da sollte sich doch die SPD ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden, anstatt an finanziellen Profit auf Kosten ihrer Vereine interessiert zu sein.

    Bevor jetzt das Schul- und Kitaargument kommt. Das wurde bewusst verpennt. Von CDU und FDP. Jeder konnte sehen, dass die Bevölkerungszahlen steigen werden. Aber anstatt die Gebäude instand zuhalten, wurden sie geschlossen. Jetzt werden sie neu gebaut. Viel zu spät! Klar, haben die Schulen und Kitas vorrang, aber das kann nicht heißen, dass man die anderen Projekte vernachlässigt.

    Von den viel zu überteuerten Projekten fange ich jetzt lieber nicht an. Kulti, Rathaus, Operette, Waldschlösschenbrücke…

    Ich wünsch dir alles Gute, für die Zukunft. Wenn du es in den Stadtrat schaffst. Mach was draus! Und besinne dich, was die SPD früher mal war. Eine soziale Partei …

  • Eine Frage habe ich nicht, da du leider nicht in meinem Wahlbezirk bist aber dein Vorstellungstext ist klasse. Ich hoffe das es einige von euch jungen, ambitionierten Leute in den Stadtrat schaffen damit frischer Wind rein kommt und es auf einige Dinge auch mal andere Sichtweisen gibt und nicht immer diese verstaubten Ansichten der älteren Generation.

  • Neustadttourist aka. Partyproll

    Alter, stimmt det, wat man da uff Facebook liest? Trinkst du wirklich Wittichenauer???

  • Hallo Sven,

    dass die Frage zu Dynamo einem DSC-Trainer gestellt wird, war natürlich nur eine Frage der Zeit. Prinzipiell haben wir in der Dresdner Sportlandschaft ein großes Problem, speziell im Fussballbereich wird das sehr deutlich. Wir haben einen, nennen wir es mal Leuchtturm. Dynamo in Liga 3, finanziell nicht erst ein mal durch die Stadt unterstützt. Wenn wir mal die schwarz-gelbe Reserve nicht mitzählen, haben wir den nächsten Dresdner Verein in Liga 7, Bezirksliga Ost. Vielleicht schafft Post den Aufstieg, dann wäre es immerhin noch ein Landesligist. Dass es soweit gekommen ist, hat durchaus Gründe. Unter anderem auch die, dass die Zuschüsse zu Dynamo dann nicht mehr für andere Vereine zur Verfügung stehen. Oder, weil Dynamo ein relatives großes Fan- und WählerInnenpotential mitbringt, eben entgegen der Vernunft pro Dynamo entschieden wird. Damit spekuliert der Verein übrigens auch. ‚Die Stadt kann doch gar nicht anders, sonst steht die Hütte leer’… Das Grundübel in Form von Stadionverträgen, Projektgesellschaft usw. haben wir nun einmal vorliegen, damit muss man arbeiten. Daher möchte ich dir die Frage folgendermaßen, beantworten. Es wird kein klares ja oder nein, da ich mich schon länger mit dem Thema auseinandersetze…

    Ich bin nicht der größte Freund der SGD, das hat sich vielleicht rumgesprochen. Trotzdem ist es Aufgabe eines jeden Stadtrates, sich mit dem Thema objektiv auseinanderzusetzen. Objektiv betrachtet macht die Stadt noch mehr miese, wenn sie keine Zuschüsse zahlt und der Verein vor die Hunde geht. Andererseits haben wir erlebt, dass es schnell zum Fass ohne Boden wird, denn es ist immer noch ein Sportverein, dessen Existenz am sportlichen hängt. Da kommen wir zum nächsten Problem: die Stadt hat keine Verlässlichkeiten. Wenn bei Dynamo (mal wieder) höchst unprofessionell gearbeitet wird, ist die Stadt dran. Das ist schlecht. Unter anderem daher würde ich einer Zahlung, die jede Saison im Stadtrat beantragt wird, nicht zustimmen. ABER: wenn man sich, Stadt und Verein, gemeinsam hinsetzen und einen langfristigen Plan entwickeln kann, der zur Perspektive hat, dass die Stadt zum Beispiel in 5 Jahren gar nicht mehr zubuttern muss, dabei meinetwegen die Mieten an sich sinken, kann man darüber sprechen, denn das muss das Ziel sein: wer Profifussball will, muss ihn sich a) leisten können und b) auch professionell arbeiten. Ohne Steuerzahler-Geld.

    Und ein Punkt noch zum Abschluss, der mich an der Debatte massiv nervt: man sollte mal überlegen, warum das Stadion steht, warum es gebaut wurde, warum es jetzt diese Verträge gibt, bevor man immer nach der Stadt schreit und mit dem Finger auf sie zeigt… Ohne neues Stadion hätte es Dynamo im Profifussball wahrscheinlich damals schon nicht mehr gegeben. Auch damals hat man mit der Masse an Fans und einflussreichen Leuten etwas unvernünftiges durchgedrückt, das am Ende nur gemacht werden konnte, weil man sich auf diese windschiefen Verträge eingelassen hat, die jetzt wie ein Schwert über Dynamo kreisen. Die Stadionmiete ist in der Tat viel zu hoch. ABER: dass sie so hoch ist, da hat der Verein eine große Aktie dran. Das sollte man in der Diskussion nicht ganz vergessen!

    Ich hoffe, ich konnte deine Frage beantworten, auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob du nur mal alles schreiben wolltest, dass ich beim DSC bin. Denn dein letzter satz lässt vermuten, dass du der Meinung bist, meine Antwort schon zu kennen 😉

    Freu mich über weitere Fragen!

  • Sympathische Vorstellung. Wie sieht’s mit einer Stellungnahme zur Behandlung der Mietverträge für’s Rudolf-Harbig-Stadion aus? Das wird ja im Oktober auf der Agenda des Stadtrats stehen. Pro oder Kontra Dynamo? Als Trainer beim DSC kann ich seine Meinung vermuten. Schade…

  • Grandioser Vorstellungstext! Allein schon hierfür gibt es drei Stimmen: „Neustädter sein ist, wenn dir jeder Weg über die Brücke gen andere Elbseite irgendwie falsch vorkommt.“ 😉

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